Marken im Wandel

Die weltweite Situation der Corona-Epedemie hat nicht nur Auswirkungen auf Unterrichtsformate und Methoden, sondern stellt auch herkömmliche Grundsätze unseres sozialen und ökonomischen Gefüges infrage. Gleichzeitig werden weltweite Verhaltensmuster und Implikationen sichtbar. Man denke nur an die kulturüberschreitenden Hamsterkäufe bei Toilettenpapier.

Auswirkungen werden nicht nur im wirtschaftlichen Bereich wie den agilen Arbeitswelten der ‚sharing economy‘ zu spüren sein. Marktorientiertes Effizienzdenken steht auf dem Prüfstand unseres Selbstverständnisses. Diesmal ist das Gegenüber allerdings keine abstrakte Finanzkrise oder Immobilienblase sondern die Natur selbst – in Form eines ca. 120 nm großen Virus.

 Wie beeinflusst ein Ereignis wie die Corona-Epedemie nachhaltig unser soziales Leben unsere emotionale Wahrnehmung aber auch Unternehmen, Produkte und Marken? Marken definieren sich u. a. als sinnlich erfahrbare Identitätskonstrukte im sozialen Kontext. Was, wenn unsere soziale Identität fundamental infrage gestellt wird, ihre Werthaltigkeit verliert und als fragile Lifestylekonstruktion entlarvt wird. Die Geschichten von Luxus, Premium, Freiheit, Vertrauen, Stärke oder Spaß müssen neu geschrieben werden und Werte neu vermessen und gewogen werden.

Auch wenn die Grundsätze emotionaler Begehrlichkeiten außer Frage gestellt sind, wird die Bewertung von Marken als soziale Phänomene durch die neuen Spielregeln nachhaltig beeinflusst. Nicht nur Produktions- und Lieferketten stehen im wirtschaftlichen Fokus, sondern die gesamte Dienstleistungskultur als solche wird sich neu erfinden müssen

Text: Michael Nouri

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